Philosophisch-literarische Sommertage im hohen Norden

16.08.2015 – 23.08.2015

„Richtet nicht über die Toten, erzählt von ihnen“ Siegfried Lenz, »Deutschstunde« oder: mit Max Ludwig Nansen schließen sich die Wunden des Emil Nolde.

Der kürzlich verstorbene Literaturkenner und Kritiker Hellmuth Karasek hat kurz vor seinem Tod eine »Liste der 25 Bücher auf Deutsch« zusammengestellt, »die jeder gelesen haben sollte«. Da folgt nach der »Blechtrommel« und Kafkas »Prozess« Fontanes »Effi Briest« und, auf Platz vier, der sehr zu Recht so erfolgreiche Roman von Siegfried Lenz: »Deutschstunde«, das Werk, das eben dort oben in Nordfriesland spielt, wo wir zu Gast sind, dort oben, in der Geest- und Marschlandschaft mit ihren Warften und Deichen und himmelweiten Horizonten.

Dort, in Sichtweite der dänischen Grenze, nur wenige Kilometer von unserem Standort entfernt, liegt auch das Haus des Malers Emil Nolde, das Anwesen Seebüll, inzwischen Museum und Ausstellungsort seiner Bilder, ein Anziehungspunkt, zu dem jährlich 80.000 Besucher wallfahrten.

Nolde, seit einigen Jahren ins Kreuzfeuer der postumen Gesinnungsfahnder geraten, die das Scherbengericht über ihn halten, ist die wirkliche Vorlage für die Romangestalt des Max Ludwig Nansen, einer mehr als nur »sympathischen« Figur, die sich von den damaligen Kunstaufsehern – ihr Kunstrichtertum endete im Mai 45 – nicht zerstören ließ: ein Mensch in unmenschlichen Zeiten.

Die doppelte Beschäftigung mit dem vorzüglichen Roman – übrigens auch der höchst gelungenen, zweiteiligen Verfilmung, die wir sehen werden – und der Geschichte des Emil Nolde und seinem Werk, wird sich mit der Frage verknüpfen: Wie können wir einer Vergangenheit eingedenk sein, die unsere Anteilnahme, unser Verständnis, unser Verstehen erfordert, nicht unsere Belehrung. Der bedürfen nur die Lebenden, belehrt zu werden haben wir nötig, die Nachgeborenen.

Das »offizielle« Programm beginnt am Dienstagabend. Doch wie in den Jahren zuvor mag, wer dazu aufgelegt ist, schon am Sonntag (16.8.) anreisen, um mit uns zuvor zwei entspannte »Urlaubstage« und gemeinsame Unternehmungen zu erleben.

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