Für „Einfach spielen!“ kommen Sie im April zum ersten Mal zu uns nach Leck. Wie sind Sie eigentlich auf die Nordsee Akademie gekommen?
Ich war auf der Suche nach einem schönen Seminarort, an dem man auch draußen Platz hat und spielen kann. Mein Onkel hat mir dann die Nordsee Akademie empfohlen, die ich bisher leider selbst nicht besucht habe.
Manche sagen von sich: „Ich bin überhaupt kein Spieletyp“ – sie spielen kein Skat und haben keine Lust auf Brettspiele mit langen Regelerklärungen. Ist „Einfach spielen!“ trotzdem etwas für sie?
Auf jeden Fall. Zunächst einmal steckt der Spieltrieb zeitlebens in jedem von uns, er wird meistens nur nicht ausgelebt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Entweder ist vermeintlich keine Zeit dafür oder Spielen wird als „kindisch“ empfunden. Viele haben auch schlechte Erfahrungen in der Kindheit gemacht oder möchten sich sozusagen nicht zum Affen machen. Aber das innere Kind will immer noch spielen.
Wer dem Trieb folgt und das Sonnenkind in sich aktivieren und zum Leben erwecken möchte, der wird sicher reichlich belohnt und kann sich auf ein abwechslungsreiches und inspirierendes Wochenende freuen: auf viel Spaß und Lachen sowie ein intensives Gemeinschaftserlebnis.
Zusammen spielen erfüllt menschliche Grundbedürfnisse, schafft Verbundenheit, bringt uns ins Hier und Jetzt und bietet eine unerschöpfliche Quelle für Leichtigkeit und Lebendigkeit.
Brettspiele oder klassische Kartenspiele, die eher nur den Kopf ansprechen, stehen an dem Wochenende nicht auf dem Programm. Es geht auch nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern eher darum, sich kreativ auszutoben, albern zu sein und Bewegung in Körper und Geist zu bringen. So können wir Energie tanken und neue Kraftquellen erschließen.
Ein Spielwochenende lebt vermutlich auch von dem, was spontan entsteht. Wie viel planen Sie vor und wie viel entscheiden Sie aus dem Moment heraus?
Die Idee ist es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die ganze Bandbreite verschiedenster Spielarten kennenlernen und ausprobieren können: Lauf-, Bewegungs- und Tanzspiele, Wort-, Zeichen- und Scharadenspiele, Fun- und leichte Improvisationsspiele, ruhige wie auch laute, wilde Spiele, Spiele in 2er-Teams bis hin zu größeren Gruppenspielen etc.
Einige Spielelemente sind fest eingeplant, ansonsten richtet sich das Programm aber auch nach Lust und Laune bzw. den momentanen Bedürfnissen der Gruppe. Spontaneität ist auch diesbezüglich das Leitmotiv des Wochenendes.
Sie haben solche Spielseminare schon an anderen Orten angeboten. Was erzählen Ihnen die Teilnehmenden hinterher? Was hat sie überrascht oder auch besonders beschäftigt?
Immer wieder schildern Teilnehmende, dass sie überrascht sind, wie viel Kraft, Energie und Spielfreude in ihnen schlummert, die dann urplötzlich freigesetzt werden. Ältere Mitspielerinnen und Mitspieler berichten, dass sie sich wieder jung fühlen und auf einmal viel beweglicher sind.
Andere entdecken bisher unerkannte Talente und Potenziale in sich, z. B. ihren Spaß am Improvisieren. Spielen bedeutet ja auch immer die Möglichkeit, sich in einem geschützten Raum auszuprobieren.
Insofern bietet das Wochenende auch die Chance auf eine persönliche Entdeckungsreise für jeden, der offen ist für neue Erfahrungen.
Wer abschalten, Stress loswerden und im Augenblick sein möchte, landet heute schnell bei Yoga, Meditation oder Achtsamkeit. Warum denken wir dabei so selten ans Spielen?
In einer Gesellschaft, die immer weiter ökonomisiert wird und alles nur noch nach Effizienzkriterien bzw. der Frage „Was bringt es mir?“ bemisst, gerät das zweckfreie Miteinander-Spielen zunehmend aus dem Blick. Spielen als „Superkraft“, wie die Autorin Karen Köhler es in ihrem Buch „Spielen“ beschreibt, wird weithin unterschätzt, oft „nur“ als Freizeitbeschäftigung betrachtet, mitunter auch als Zeitverschwendung.
Dabei beruhen alle Lernprozesse und jede menschliche Entwicklung auf dem Spielprinzip. Für den Hirnforscher Gerald Hüther ist Spielen der beste „Dünger“ für das Gehirn, weil dadurch emotionale Zentren aktiviert und Botenstoffe ausgeschüttet werden, die das Wachstum neuer Synapsen und Nervenverbindungen anregen.
Sie haben sich das Spielen auch als Erwachsener bewahrt. Was fasziniert Sie persönlich bis heute daran?
Es ist für mich im Grunde eine Art Lebensprinzip geworden. Das beinhaltet die weitgehend angstfreie Freude am Entdecken und Ausprobieren, die Verbundenheit mit anderen und die immer wieder neue Herausforderung, das Leben und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.
Leichtigkeit und Lebensfreude gedeihen am besten mit einer spielerischen Grundhaltung, nichts zwingend erreichen bzw. optimieren zu wollen, sondern sich intensiv dem Augenblick hinzugeben und den Moment voll auszukosten.
Dann kann uns Spielen in den Flow bringen, in eine Art Glückszustand, in dem wir voll und ganz in den Moment eintauchen und alles um uns herum vergessen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Lust bekommen, selbst wieder zu spielen?
Vom 23. bis 25. April 2027 lädt Ralf Gödde in der Nordsee Akademie dazu ein, die eigene Spielfreude neu zu entdecken. Beim Wochenendseminar „Einfach spielen! – Bewegung, Kreativität und Lebensfreude neu entdecken“ geht es um Bewegung, Kreativität, gemeinsames Ausprobieren – und vor allem um die Freude am Spielen.
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