Astrid Lindgren

Die Kriegstagebücher Astrid Lindgrens „Die Menschheit hat den Verstand verloren“

Ein Literatur-Seminar zu den Tagebüchern Astrid Lindgrens 1939-1945

Lange bevor die weltberühmten Kinderbücher Astrid Lindgrens entstanden, noch vor dem Erscheinen Pippi Langstrumpfs, schrieb Astrid Lindgren ihre Gedanken über das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts nieder: den Zweiten Weltkrieg. In ihren Tagebüchern schildert sie, wie Europa von Faschismus, Rassismus und Gewalt vergiftet wird. Nachdenklich und betroffen, aber auch schon damals mit dem so unverwechselbaren Tonfall stellt Astrid Lindgren in ihren Tagebüchern wichtige Fragen, die heute wieder von erschreckender Aktualität sind: Was tun, wenn Fremdenfeindlichkeit und Rassismus das Denken und Handeln der Menschen bestimmen? Wie kann jeder Einzelne von uns Stellung beziehen? Was nennen wir "gut" und was "böse"?

Neben dem Kriegsgeschehen erzählt Astrid Lindgren ganz unprätentiös von ihrem Familienleben und berichtet von ihren ersten Schreibversuchen, die sie parallel zu ihrer damals geheimen Tätigkeit beim schwedischen Geheimdienst unternommen hat - und von der Geburt Pippi Langstrumpfs, genauer gesagt von "Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf", dem stärksten und einfallsreichsten Mädchen der Welt. Mit der Weltgeschichte aus dem Blick einer Kinderbuchautorin und mit dem eigenen Erleben jener Tage und unserer Zeit heute befasste sich der Literaturkurs am Wochenende vom 24.-26.3.2017 an der Nordsee Akademie. Für viele, die angereist waren, war es gleichzeitig ein ganz besonderer Zugang zum Werk der Autorin wie zu den eigenen Kindheits- und Kriegserfahrungen. Aber auch aktuelle politische Lage wurde durch so manche zeithistorische Parallele immer präsenter und bestimmte einen Teil der lebendigen Diskussion der Astrid Lindgren Fans in der Nordsee Akademie. Dass ausgerechnet im dänischen Vejen derzeit eine Ausstellung zum Werk der ersten Illustratorin von Astrid Lindgren, Ingrid Vang Nyman, zu sehen war, ergänzte die Diskussion um den anschaulichen Teil. Nicht nur die Gattung Tagebuch und Kriegstagebuch wurden beleuchtet, auch das Werk und Leben von Astrid Lindgren erschien vor diesem Hintergrund vielen in einem anderen Licht. Die Kriegstagebücher von 1939 - 1945 sind ein ganz persönliches Zeitdokument von Astrid Lindgren, die schon damals den Blick für das große Ganze hatte und dies auch zu formulieren wusste.

Auf Wunsch der Teilnehmenden wird im nächsten Frühjahr von der Nordsee Akademie aus eine Fahrt nach Stockholm angeboten, wo unter anderem das Astrid-Lindgren-Haus und Museum besucht wird. Doch zuvor, in diesem Herbst steht erst einmal ein Seminar zu Literatur und Leben von Franziska Gräfin zu Reventlow an. Auch neue TeilnehmerInnen sind herzlich willkommen! 03. April 2017