Literatur erleben

Eine Lesung zum Thema „Loslassen“

...eröffnet für manch einen doch neue Horizonte, wie Katharina Finke es in ihrem gleichnamigen Buch bei ihrer Lesung bei Clausen und Bosse am letzten Dienstag aufgezeigt hat. Seit geraumer Zeit veranstaltet CPI Germany/ Clausen und Bosse in Leck gemeinsam mit der Nordsee Akademie (NoA) Lesungen von Autoren, deren Werke aktuell im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Sie stammen aus dem reichen Sortiment aus einer von Deutschlands größten Druckereien direkt vor der Haustür der Nordsee Akademie. Der Saal bei Clausen und Bosse war bis auf den letzten Platz besetzt, als die weitgereiste Autorin den Raum betrat. Ihre Geschichte ist die einer Frau, die die Weite gesucht hat und dabei Nähe gefunden hat. Als Autorin und freie Korrespondentin arbeitete Katharina Finke unter anderem für den Freitag, die ZEIT, SPIEGEL, ARD und ZDF und berichtet seit fünf Jahren vor allem über Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsthemen von verschiedenen Orten auf der Welt, an denen sie auch länger gelebt hat. 2015 erschien ihr Buch "Mit dem Herzen einer Tigerin", in dem es um Gewalt gegen Frauen in Indien geht. Und nun das zweite Buch mit dem großen Thema "Loslassen":

"Eine Wohnung habe ich nicht. Genauso wenig wie Möbel oder ein Auto. Und das alles ist kein Experiment oder eine Übergangslösung. Es ist mein Alltag seit fast fünf Jahren. Das Komische ist: Jetzt, wo ich aufschreibe, was ich alles besitze, kommt es mir vor, als wäre es viel. Dabei ist es nur ein Bruchteil dessen, was die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt besitzt: Zehntausend Gegenstände nennt beispielsweise jeder Deutsche laut einer Statistik sein Eigen. Tendenz steigend."

Das kennt jeder von uns - die Dinge im Haushalt werden mehr und mehr und der freie Platz um uns herum immer weniger. Der Kopf ist voller Eindrücke und das Bücherregal wie der Kleiderschranke platzen schon lange aus allen Nähten. Doch Konsum kennt oft Grenzen, der innere wie äußere nicht, das fällt vielen von uns in unserer Wohlstandgesellschaft mittlerweile immer mehr auf. Und auch das persönliche Glück hängt nicht zwangsläufig von materiellem Besitz ab. Das altbekannte Motto "Weniger ist mehr", die Reduktion unseres Besitzes, die Konzentration auf das Wesentliche schafft ganz nebenbei auch Raum und Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Katharina Finke hat dies anschaulich in ihrem Leben umgesetzt und in ihrem Buch nachhaltig beschrieben.

"Überlege dir, was für dich wichtig ist", riet mir Ana auf unserem Rückweg. Als ich wieder in meiner kleinen Kammer saß und mich umsah, wurde mir klar, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr gebraucht hatte als das, was ich bei mir hatte: Kleidung, Laptop, Handy. Und die Menschen um mich herum. Die Wohnung in Hamburg allein zu behalten würde eine Bürde für mich bedeuten. Insbesondere den Gedanken, dass ich mich während meiner Reisen aus der Ferne immer wieder um Zwischenmieter kümmern müsste, empfand ich als belastend. Also antwortete ich Arjun: "Lass uns die Wohnung auflösen."

Die Geschichte von Katharina Finke hat die Zuhörer durch die Welt des Reisens geführt, durch Konsumverzicht und Überlegungen, wie sich die Zukunft auch ohne zu viel Besitz und durch das Teilen mit anderen glücklich und zufrieden gestalten läßt. Dass dies möglich ist, zeigte sich einmal mehr in der sich anschließenden Diskussion, die vielleicht einige der Zuhörer ermutigt hat, es ihr gleichzutun. 02. April 2017

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